Zur Planung 2001

Wir sind mit unseren Arbeitsergebnissen in 2000 auch hinsichtlich der Vertragsaufgaben und deren Erfüllung zufrieden.

Allerdings mussten wir feststellen, dass die Art und Weise, diese Ergebnisse zu erzielen, nicht richtig, z. T. uneffektiv und kräfteverschleißend war. So steht einerseits das gute Ergebnis, andererseits Unzufriedenheit im Team und das Wissen um ein verfälschtes Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen. Will heißen: Wir haben es trotzdem geschafft. Trotz fehlender Gelder und Unterstützungen. Und obwohl man unsere Arbeit als professionell und gut einschätzt - beispielsweise Kollegen anderer Einrichtungen - wird uns zugleich „Wettbewerbsverzerrung“ und „Dumping“ vorgeworfen. Dies betrifft vor allem die ehrenamtliche Tätigkeit hauptamtlicher Mitarbeiter, die, da ihre Arbeit in den gekürzten Stunden nicht zu schaffen war, ihre Freizeit dazu nutzten und gleichzeitig auf ihre vertragsrechtlichen zusätzlichen Zuwendungen verzichteten.

Die erreichte Qualität wollen wir nicht gefährden, im Gegenteil weiter entwickeln und sichern.

Die Finanzen in 2001 ausreichend zu machen, geht wieder auf Kosten der hauptamtlichen Mitarbeiter.

Wir sehen dieses Jahr jedoch als Chance, die Verhältnisse neu zu ordnen, noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten zu erproben. Unser Ziel ist es, bis zum Vertragsende 2002 deutlich aufzeigen zu können, was mit welchen Finanzen durchführbar und vor allem für einen weiteren Vertragszeitraum erhaltbar ist. Ein Anteil an ehrenamtlicher Arbeit ist nicht zu planen. Wenn wir jedoch unser Angebotsprofil durch eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit Nutzern und Bewohnern des Kiezes/des Bezirkes verdeutlichen, und es angenommen wird, ist der Einsatz bürgerschaftlichen Engagements einzuplanen.

Für uns heißt das: eine Verselbständigung aller Nutzergruppen.

Eine deutlichere Trennung von Vereinstätigkeit und Dienstleistungsangebot durch hauptamtliche Mitarbeiter.

Hier existiert u. E. auch ein grundsätzliches Problem bei der Vertragserfüllung. Der Verein, ein freiwilliger Zusammenschluss von Bürgern, der sich per Satzung auf Zweck und Ziele geeinigt und über demokratische Prinzipien einen Vorstand gewählt hat, der wiederum eine ordnungsgemäße Geschäftsführung und hauptamtliche geleistete Sozialarbeit delegiert und zu beaufsichtigen hat, fühlt sich z. T. nicht kompetent genug und überfordert. In den Vereinsversammlungen wird dies besonders deutlich.

Die Gefahr besteht darin, dass der Vorstand/Verein von seinen hauptamtlichen Mitarbeitern und deren in dieser Hinsicht umfangreicheren Wissen abhängig geworden und verunsichert ist. Andererseits sind die Mitarbeiter vom Vorstand abhängig und ihnen sind mitunter die „Hände gebunden“. In unserem Fall betrifft dies vor allem die Diskussionen über eine eventuelle Trägerschaft/einen Trägerverbund (Stadtteilzentrum).

Im Rabenhaus und seiner täglichen Arbeit gibt es ein gutes, arbeitsfähiges Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, unterstützt von freiwilligen Helfern. Zukunftsorientiert und auf der Ebene der weiteren Planung muss jedoch eine Balance hergestellt werden.

So wird es in 2001 Änderungen geben, ausgerechnet ein Vorstandsmitglied, das bisher diese Arbeit übernommen hatte und über umfangreiches Wissen verfügt, möchte nicht wieder in sein Amt gewählt werden. Es hat außerdem angeregt, hauptamtlichen Mitarbeitern, die auch Vereinsmitglied sind, eine ruhende Vereinsmitgliedschaft vorzuschlagen. Darüber wird auf der nächsten Versammlung beraten.

Einerseits erachten wir diese Veränderung als gut und richtig, andererseits werden wir einigen Problemen gegenüberstehen, die zu überwinden sind. Für den Vorstand haben sich keine weiteren Kandidaten gefunden, es ist noch nicht geklärt, wer vom alten Vorstand neu kandidiert und wer durch die Wahl bestätigt wird. Die Verantwortung wird allgemein als sehr hoch empfunden.

Es ist ein allgemeines Thema, viel diskutiert: Das Ehrenamt. In der Vereinslandschaft zeigt sich ganz deutlich, dass ein solches vor allem von Personen ausgeübt wird, die „es sich leisten können“, also über geregeltes Einkommen und Zeit verfügen. Und außerdem und nicht zuletzt genannt: über Erfahrungen, Idealismus, hohes Verantwortungsgefühl und Empathie. Es handelt sich zum großen Teil um Menschen über 60 Jahre. In unserer Kultur ist dies als Ältestenrat bekannt. Allerdings haben sich Zeiten und Werte (scheinbar?) geändert und man hält Ausschau nach Nachwuchs, „Frischblut“ (oft sind hier Vorruheständler gemeint), der sich nicht und selbstverständlich meldet.

Junge Menschen sind oft nicht nur nicht bereit, eine solche Aufgabe zu übernehmen, sie sind nicht in der Lage (Beruf und Berufsfindung, Ortswechsel, Kindererziehung udgl.), einem „Vertrag“ über einen Zeitraum von 3 Jahren zuzustimmen. Und sie fühlen sich überfordert. Aber sie sind oft und gerne bereit, kurzfristig und zeitlich begrenzte Aufgaben zu übernehmen.

Also werden auch hier voraussichtlich Veränderungen eintreten. Die Frage ist: Gibt es in 10 Jahren überhaupt noch leistungsfähige Vereine in dieser Form? Wird sich Nachwuchs einstellen oder nicht? Wird sich die Dienstleistungsgesellschaft mehr und mehr durchsetzen und viele Vereine überflüssig machen?

Dieses Thema wollen wir untersuchen und mögliche Wege erkunden und aufzeigen. Unsere Arbeitshypothese, beruhend auf Erfahrungen, jetzigen Bedingungen und Voraussetzungen/Zukunftsprognosen:

Vereine und deren Vorstände im sozial-kulturellen Bereich werden in ihrer jetzigen Form „aussterben“. Dienstleistung und Handel mit Dienstleistung werden auch auf sozialem Gebiet weiter voranschreiten. Subventionen werden weniger. Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement können nur dauerhaft und nutzbringend eingesetzt werden, wenn die Arbeitsfelder zeitlich befristet und Kompetenzen angeglichen sind. Professionelle Sozialarbeit kann sich selbständig anbieten und „Lücken schließen“, wo erforderlich. Auch diese Arbeit sollte zeitlich befristet und vertraglich geregelt sein. Auftraggeber können Stadt, Kommune, Vereine, Initiativen, Wohnungsbaugesellschaften udgl. sein.

Vernetzung wird weiterhin wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Arbeit sein.

Um bürgerschaftliches Engagement weiter zu stärken und zu fördern, müssen Räume und Möglichkeiten geschaffen, erhalten und auf tatsächlichen Bedarf abgestimmt werden.

Wir denken, dass diese Untersuchung wichtig ist in zweierlei Hinsicht: Der Verein muss für sich klären, ob er willens und in der Lage ist, einen weiteren Vertrag, falls es ihn geben sollte, zu unterschreiben. Die Vertragsgestalter könnten aber auch diesbezügliche Ergebnisse in zukünftige Überlegungen einbeziehen. Wir stellen damit in keinster Weise das Zinner/Freier-Papier in Frage, dessen aufgezeigte Erfordernisse, wenn sie erfüllt würden, durchaus zur Vertragserfüllung führen können.

Das Internetcafé ist seit 22. Februar 2001 behindertengerecht ausgestattet.

Wir planen räumliche Veränderungen. So soll JAO e. V. die Wohnung im Erdgeschoss übernehmen. Durch den behindertengerechten Umbau soll der „Laden“ (incl.Internetcafé) auch anderen Trägern/Einrichtungen der Straße/im Kiez zur Nutzung von Veranstaltungen angeboten werden.

Freie Kapazitäten von Räumen sollen ausgeschöpft werden, die Familienetage wird für Familienfeiern und andere Aktivitäten an Wochenenden angeboten werden, um Einnahmen zu erreichen.

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